Es war einmal ein kleiner Planet, auf dem lebten die Sonnenmäuse. Sie waren so weiß, dass sie fast leuchteten und manch einer konnte bei diesem Anblick meinen, er schaute direkt in ein Licht. Sie lebten fröhlich und trieben lange Zeit allerlei Schabernack im Schein der weißen Sonne.

Man weiß nicht mehr so genau, wer die Idee zuerst hatte, aber es kam die Zeit, da fanden es die Mäuse sehr amüsant, sich eine Weile vor der Sonne zu verstecken. Denn auch mit der Sonne liebten sie es, ihren Schabernack zu treiben. Und so nahm sich eine Maus nach der anderen einen großen schwarzen Hut aus dem Schrank und setzte ihn sich auf. „Nun sehen wir die Sonne nicht mehr, also kann sie uns auch nicht mehr sehen!“ dachten sich die Mäuse und kicherten wie verrückt. Als schließlich alle Mäuse des Planeten einen Hut aufhatten, vergaßen sie schnell, dass es die Sonne überhaupt gab. Denn eins muss man wissen: Mäuse haben kein gutes Gedächtnis!

Sie behielten lange Zeit ihre Hüte auf, aber nun –  da sie nur noch sehr wenig Sonnenlicht abbekamen –  wurden sie immer schwächer. Die schwarzen Dinger auf ihrem Kopf wurden ihnen zu einer immer größeren Last. Da wurden die Mäuse traurig, aber keine von ihnen wusste so recht weshalb. Denn sie hatten nicht nur vergessen, dass über ihnen eine Sonne leuchtete, sondern sie vergaßen auch, dass es einmal eine Zeit gab, in der sie keine schweren Hüte getragen hatten!

Eines Tages tauchte wie aus dem Nichts eine Maus ohne Hut auf. Ihr Name war Wuppi. Sie war unheimlich stark und leuchtete besonders weiß. Alle staunten, als sie diese wundersame Maus sahen. Wuppi schaute sich um und sagte: „Was ist denn mit euch los, Freunde?! Wollt ihr nicht endlich eure Hüte absetzten? Ihr übertreibt es wirklich mit euren Streichen, die ihr der Sonne spielt!“ Da sagten die Mäuse: „Was denn für eine Sonne? Wir wissen nicht, wovon du da sprichst!“ Wuppi musste ihnen erklären und sie daran erinnern, dass sie alle Sonnenmäuse waren, und dass sie im Licht der Sonne eigentlich genau so hell leuchteten wie er.

„Wir wollen auch diese Sonne sehen! Zeig sie uns!“ riefen die Mäuse. Da sah Wuppi, dass die Mäuse mittlerweile viel zu schwach waren, um ihre Hüte selbst abzunehmen und so beschloss er, seinen Freunden zu helfen. Er pflückte einer Maus nach der anderen den Hut vom Kopf. Zuerst die kleinen, dann die mittleren und schließlich die großen Hüte. Mit der linken Hand nahm er die schwarzen Dinger und in der rechten sammelte er sie, so dass ein großer Turm entstand, den er vor sich hin balancierte.

Die Mäuse, die jetzt die Sonne sahen, sangen aus voller Kehle: „Oh wie wunderbar, wir sehen die Sonne wieder! Sie war ja die ganze Zeit da und leuchtete treu für uns! Und jetzt leuchten auch wir wieder!“ Wuppi machte weiter und nahm die Hüte von den Köpfen der Verbliebenen, und der fröhliche Gesang der Mäuse wurde immer lauter. Als er den allerletzten schwarzen Hut von der allerletzten Sonnenmaus nahm, verschwand Wuppi unter dem riesigen Hüteturm – so schwer war dieser geworden.

Die Mäuse waren erschrocken. „Nanu, aber was wird denn jetzt aus Wuppi?“ fragten sie sich. Alle waren ratlos, schauten sich den zentnerschweren Turm aus Hüten an und warteten. Nach drei langen Tagen sagte eine Maus schließlich: „Wuppi war der Beste, er hat allen geholfen!“ Und eine andere sagte: „Ja das stimmt. Doch leider ist er dabei draufgegangen.“ Da rief eine kleine Maus: „Schaut doch! Da oben!“ Der oberste Hut bewegte sich erst leicht, dann immer mehr und stärker, bis…  Rums!  …Wuppi an der Spitze stand! Er hatte sich, wie für eine Maus üblich, seinen Weg durch die Hüte genagt. Denn eins muss man wissen: Mäuse lieben es, sich durch alles Mögliche zu nagen. „Hallo Leute!“ rief Wuppi und winkte den Mäusen unten zu. Die Mäuse lachten und sagten zueinander: „Wuppi liebt es einfach, die Dinge spannend zu machen!“

Die Mäuse erzählten sich die spannende Geschichte von ihrem Retter Wuppi immer wieder aufs Neue, damit sie diese besondere Heldentat ja nie vergaßen. Wuppi jedoch blieb noch eine gute Weile auf dem Turm sitzen. Er war der Sonne so nah gewesen wie keine andere Maus vor oder nach ihm.

J.