Es kam einmal ein Pups mit solch einer Wucht ins Dasein, dass er sich seiner selbst auf der Stelle bewusst war. Das vorhandene Bewusstsein unterschied ihn von allen anderen Püpsen auf der Welt. Aber nicht nur das. Er kam nämlich ohne ein Geräusch und ohne Geruch in die Welt. Stattdessen flog er wie eine große durchsichtige Blase durch die Luft, ohne jegliche Anstalten zu machen, zu platzen.

Der Pups war sehr traurig, denn er begriff schnell, dass er nirgends willkommen war. Also machte er sich auf die Suche nach einem Ort, an dem auch andere Wesen gab, die nicht viel zu lachen hatten. An einem dunklen Novembertag fand er ein Gebäude, in dem er sein restliches Dasein verbringen wollte: Eine alte Kirche.

„Nanu, wer bist denn Du?“ fragte die kleine graue Maus,

die unter dem Altar wohnte. „Ich bin ein Pups.“, sagte der Pups. „Na das kann doch gar nicht sein“, sagte die Maus, „ich kenne mich sehr gut mit Püpsen aus, denn ich habe hier schon viele gesehen. Ein Pups – der ist allen oberpeinlich! Und wenn ich dich so ansehe, kann ich gar nichts Peinliches entdecken. Du bist groß und schwebst voller Würde langsam durch die Luft.“ „Oh danke“, seufzte der Pups mit einem traurigen Gesicht, „aber ich glaube nicht, dass du weißt, wovon du sprichst.“ Da flog er zum hinteren Teil der Kirche, zur Orgel.

„Was willst du? Wer bist du?“, fragte die kleine Spinne, die ihre Wohnung in der größten Orgelpfeife hatte. „Ich bin ein Pups.“ sagte der Pups. „Das glaubst du ja selber nicht!“ rief die Spinne ganz nervös, „du bist ja ganz ruhig und still. Ein Pups ist tief und laut, wie ein langer Ton aus einer Tuba. Manchmal aber pfeifend wie ein kurzer Ton einer Flöte. Ich weiß wovon ich spreche. Der Organist lässt hier immer wieder welche fahren, wenn er glaubt, niemand würde sie hören. Aber ich höre sie alle! Alle!“ „Ach du verstehst mich nicht.“, sagte der Pups und flog ohne einen Ton zu geben ein Stockwerk tiefer, in die Krypta – dem Raum, in dem die Heiligen in großen Särgen aus Stein lagen.

„Hallo. Wer bist du denn?“, fragte die Fliegenfamilie. „Ich bin ein Pups.“, sagte der Pups „Oha!“ sagten die Fliegen voller Ehrfurcht, denn sie hatten noch nie von einem Pups gehört. „Und was machst du so?“ „Ich verbreite Peinliche Gefühle. Ich mache seltsame Geräusche. Aber vor allem sorge ich für unangenehme Gerüche. Im Großen und Ganzen kann man sagen, dass ich nirgends willkommen bin.“ „Oha!“ sagten die Fliegen noch einmal und staunten. „Und wer seid ihr?“ fragte der Pups die kleine Fliegenfamilie. „Wir sind gewöhnliche Schmeißfliegen. Eigentlich sind wir auch nirgends willkommen. Da wo wir auftauchen versucht man uns zu verjagen oder gar zu töten. Deshalb verstecken wir uns in dieser Kirche. Unsere Wohnung ist in diesem Spalt.“ Und die Fliege zeigte auf einen kleinen Riss im Sarg des heiligen Ignatius. Da trat die kleinste Fliege hervor und sagte zum Pups: „Ich bin nur ein kleines Fliegenmädchen und ich weiß nicht viel von der Welt, und von Püpsen schon gar nicht. Doch mit Gerüchen kenne ich mich aus: Es gibt die guten und die schlechten, die süßen und die würzigen, die erfrischenden und die schweren. Und deshalb habe ich eine Frage an dich: Du sagtest, du sorgst für unangenehme Gerüche, doch wenn ich an dir schnuppere, so rieche ich gar nichts! Wie kann das sein?“ Da schrie der Pups: „Ihr versteht gar nichts! Die Maus nicht, die Spinne nicht und auch ihr nicht! Niemand weiß, was das für eine schwere Last ist, ein Pups zu sein!“ Und mit einem ohrenbetäubenden donnernden Brummen, dass sich bald in ein Furzen, bald in ein Pfeifen verwandelte, entfaltete sich der Furz in der ganzen Kirche. Mit einem Knall explodierte er schließlich und verteilte seinen bräunlich-glitzernden Geruch in allen Ecken der Kirche. Nun war es totenstill. Nur in der Krypta, so konnte man meinen, kicherten die Toten in ihren Särgen. So ein lustiges Geräusch war ihnen wohl schon sehr lange Zeit nicht mehr zu Ohren gekommen. Die kleine Fliegenfamilie hingegen flog wie wild durch die ganze Kirche und versuchte den ganzen Geruch in sich aufzusaugen. „Wow! Das ist das Beste, was ich je gerochen habe!“ rief das Fliegenmädchen und sie war betäubt von ihrer eigenen Freude. Dann sang sie ein Lied: „Danke, lieber Gott! Danke für diesen tollen Pups!“ Als die Heiligen das hörten, verwandelte sich ihr Kichern in ein bebendes Lachen und Wiehern, so dass die Kirche drohte einzustürzen. Doch sie blieb noch viele Jahrhunderte stehen und unzählige Püpse sollten in ihr noch ins Dasein kommen.